Minderwertigkeitsgefühle

Jeder Mensch hat Minderwertigkeitsgefühle jedoch in jeweils unterschiedlichen Lebensbereichen! Minderwertigkeitsgefühle sind immer subjektiv und nur möglich, wenn ein Vergleich mit andern vorliegt und da schneidet man oft schlechter ab! So entstehen Zweifel und diese wirken im Leben hemmend.

Diese subjektiven Minderwertigkeitsgefühle haben allgegenwärtige Wirkung und entscheiden den Lebensverlauf der Menschen. Der Mensch ist bestrebt, dieses Minderwertigkeitsgefühl durch ein Geltungsstreben zu überwinden. Solange wir jedoch untersuchen, was für eine Wirkung wir auf andere erzielen, solange es wichtig erscheint, zu erkennen und zu beweisen, wie gut oder schlecht wir sind, solange können wir nie das leisten, wozu wir eigentlich fähig wären, weil wir den grösseren Teil unserer Energie auf unsachliche Weise verschwenden. Unsere subjektive Einschätzung entspricht in keiner Weise der Wahrheit, sondern beruht auf einer falschen Bewertung von Tatsachen in der Kindheit. Durch unser Menschsein sind wir wertvoll, auch wenn wir fehlerhaft sind und nichts Aussergewöhnliches leisten. Wir selbst geben uns den eigenen Wert!

Der angekettete Elefant

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Eindrückliches Beispiel wie unsere Überzeugungen uns einschränken können am Beispiel dieser Geschichte über den angeketteten Elefanten:

Als ich ein kleiner Junge war, war ich vollkommen vom Zirkus fasziniert, und am meisten gefielen mir die Tiere. Vor allem der Elefant hatte es mir angetan. Wie ich später erfuhr, ist er das Lieblingstier vieler Kinder. Während der Zirkusvorstellung stellte das riesige Tier sein ungeheures Gewicht, seine eindrucksvolle Grösse und seine Kraft zur Schau. Nach der Vorstellung aber und auch in der Zeit bis kurz vor seinem Auftritt blieb der Elefant immer am Fuss an einen kleinen Pflock angekettet.

Der Pflock war allerdings nichts Weiteres als ein winziges Stück Holz, das kaum ein paar Zentimeter tief in der Erde steckte. Und obwohl die Kette mächtig und schwer war, stand für mich ganz ausser Zweifel, dass ein Tier, das die Kraft hatte, einen Baum mitsamt der Wurzel auszureissen, sich mit Leichtigkeit von einem solchen Pflock befreien und fliehen konnte. Dieses Rätsel beschäftigt mich bis heute. Was hält ihn zurück? Warum macht er sich nicht auf und davon? Als Sechs- oder Siebenjähriger vertraute ich noch auf die Weisheit der Erwachsenen. Also fragte ich meinen Lehrer, meinen Vater oder Onkel nach dem Rätsel des Elefanten.

Ich erinnere mich nicht, je eine schlüssige Antwort darauf bekommen zu haben. Mit der Zeit vergass ich das Rätsel um den angeketteten Elefanten und erinnerte mich nur dann wieder daran, wenn ich auf andere Menschen traf, die sich dieselbe Frage irgendwann auch schon einmal gestellt hatten.Vor einigen Jahren fand ich heraus, dass zu meinem Glück doch schon jemand weise genug gewesen war, die Antwort auf die Frage zu finden: Der Zirkuselefant flieht nicht, weil er schon seit frühester Kindheit an einen solchen Pflock gekettet ist. Dieser riesige, mächtige Elefant, den wir aus dem Zirkus kennen, flieht nicht, weil der Ärmste glaubt, dass er es nicht kann. Allzu tief hat sich die Erinnerung daran, wie ohnmächtig er sich kurz nach seiner Geburt gefühlt hat, in sein Gedächtnis eingebrannt. Und das Schlimme dabei ist, dass er diese Erinnerung nie wieder ernsthaft hinterfragt hat. Nie wieder hat er versucht, seine Kraft auf die Probe zu stellen. So ist es. Uns allen geht es ein bisschen so wie diesem Zirkuselefanten: Wir bewegen uns in der Welt, als wären wir an Hunderte von Pflöcken gebunden.

Gekürzte Form aus dem Buch „Komm ich erzähl dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay

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